Beratungsstelle für alkoholgeschädigte Kinder
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Was sind FASD?

Alkoholkonsum während der Schwangerschaft kann das ungeborene Kind schwer schädigen.
Für die lebenslangen Auswirkungen pränatalen Alkohol­konsums auf die Kinder hat sich international
der Begriff Fetale Alkoholspektrum-Störungen (Fetal Alcohol Spectrum Disorder = FASD) durchgesetzt.

Bekannter sind im deutschsprachigen Raum die Bezeichnungen Alkoholembryopathie und
Fetales Alkoholsyndrom (FAS). Diese Begriffe lassen jedoch außer Acht, dass Alkohol in der
Schwangerschaft zu einer Vielfalt von Folgeschäden führen kann. Der Begriff Alkoholspektrum-
Störungen verdeutlicht dies:

Wie das Farbspektrum eines Regenbogens reichen die möglichen Schädigungen vom Vollbild
des Fetalen Alkohol­syndroms (FAS) über die Fetalen Alkoholeffekte (FAE) und Alkoholbedingte
Geburtsschäden (Alcohol Related Birth Defects, ARBD) bis zu Alkoholbedingten neurologischen
Entwicklungs­stö­rung­en (Alcohol Related Neurodevelopmental Disorders, ARND). Die Diagnose
wird abhängig von folgenden drei Bereichen gestellt: Wachstums­ver­zö­ger­ungen, organische
und funktionelle Störungen des zentralen Nervensystems (ZNS) und Dysmorphiezeichen
(Missbildungen des Gesichtes).

Störungsbilder FASD

Die Übergänge zwischen den verschiedenen Ausprägungen der Alkoholschädigung sind fließend:

Fetales Alkoholsyndrom (FAS)
Beim sogenannten Vollbild liegen in allen drei Bereichen Auffälligkeiten vor. Nach dem Insitute of Medicine
IOM (Washington, 1996) kann hier die Diagnose auch ohne belegte Alkoholexposition gestellt werden.

Fetale Alkoholeffekte (FAE = Partial Fetal Alcohol Syndrome, PFAS)
Fetale Alkoholeffekte werden diagnostiziert, wenn nur in zwei der drei Bereiche Auffälligkeiten vorliegen.
Zusätzlich zu den Dysmorphiezeichen liegt eine Wachstumsminderung oder eine Dysfunktion des zentralen
Nervensystems vor. Für diese Diagnose muss eine Alkoholanamnese der leiblichen Mutter oder zumindest
ein dringender Verdacht auf vorgeburtliche Alkoholexposition vorliegen.

Alkoholbedingte Geburtsschäden (Alcohol Related Birth Defects, ARBD)
Zur Symptomatik gehören Dysmorphiezeichen und ggf. Missbildungen im Skelett- und Organsystem.
Dazu zählen Abnormalitäten des Herzens, der Augen, Ohren, Nieren oder der Knochen.

Alkoholbedingte neurologische Entwicklungsstörungen
(Alcohol Related Neurodevelopmental Disorders, ARND)

Die Diagnose ARND wird nur bei belegter Alkoholexposition gestellt. Die Betroffenen zeigen keine
körperlichen Anzeichen (Wachstumsminderung, typische Gesichtszeichen), die Dysfunktion des zentralen
Nervensystems steht ganz im Vordergrund.

Fetale Alkoholeffekte (FAE), und ARND sind leider keine leichteren Formen des Vollbildes FAS.
Sie sind in den Auswirkungen auf die Entwicklung der Kinder genauso gravierend und – weil äußerlich
oft nicht sichtbar – schwieriger zu diagnostizieren.

Wie kommt es zu FASD?

Alkohol ist ein Zellteilungsgift. Über die Plazenta tritt er aus dem Blutkreislauf der Mutter in den des
Embryos bzw. Fötus über. Die ungeborenen Kinder trinken mit! Insbesondere die Entwicklung ihres
Gehirns, das im Mutterleib besonders rasch an Gewicht und Größe zunimmt, wird durch den Alkohol
negativ beeinflusst. Da ihre Leber in den ersten Monaten noch nicht in der Lage ist, eigenständig
zu entgiften, wirkt das Zellteilungsgift Alkohol über lange Zeit schädigend auf die Zellentwicklung ein,
bevor es schließlich verzögert abgebaut wird. Während die Mutter bereits wieder nüchtern ist, ist das
ungeborene Kind immer noch alkoholisiert.

Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Mutter ein Kind mit FASD auf die Welt bringt, steigt mit der Menge
und der Dauer des Alkoholkonsums. Es gibt keinen Schwellenwert, unterhalb dessen Alkoholkonsum
während der Schwangerschaft als ungefährlich angesehen werden kann. Neue englische Studien vermuten,
dass schon geringe Trinkmengen (z.B. ein Glas Alkohol pro Woche) möglicherweise zu späteren
Verhaltensauffälligkeiten der Kinder führen können. Auch Schwangere, die nicht alkoholabhängig sind,
aber Alkoholmengen konsumieren, die im Rahmen des gesellschaftlichen Trinkens als normal angesehen
werden, können so die Gesundheit ihres Kindes gefährden. Sogar ein nur einmaliger Vollrausch einer
schwangeren Frau ist gefährlich.

Grundsätzlich sollte deshalb während der Schwangerschaft auf jeglichen Alkohol verzichtet werden.
Umgekehrt gilt: Jeder Schwangerschaftstag ohne Alkohol erhöht die Chancen, ein Kind mit geringer
Schädigung zur Welt zu bringen.  

Wie häufig ist FASD?

Es liegen keine gesicherten Zahlen für Deutschland vor.

Anhand internationaler Vergleichszahlen wird von einer Häufigkeit von 0.5 bis 2 Kindern mit
Fetalem Alkoholsyndrom (FAS) auf 1000 Geburten ausgegangen.

Zählt man weitere Formen von FASD hinzu, so liegt nach eigenen Erhebungen die Häufigkeit bei
4 bis 6 betroffenen Kindern auf 1000 Geburten (Spohr, 1992). Für Deutschland ergäben sich daraus
ca. 3000 bis 4000 Neugeborene mit FASD pro Jahr.

In amerikanischen Untersuchungen wird für FASD eine Auftretensrate von 10 Kindern auf 1000 Geburten
und somit 1 Prozent aller Geburten angenommen (May & Gossage, 2001).

Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen schätzt, dass nur 20 Prozent aller Schwangeren während
der Schwangerschaft keinen Alkohol zu sich nehmen.

Welche Einschränkungen haben FASD-Kinder?

Neben Minderwuchs, Untergewichtigkeit, körperlichen Missbildungen und Schädigungen des zentralen
Nervensystems tragen FASD-Kinder schwere Langzeitschäden davon. Die Schädigung äußert sich
u. a. in kognitiven und intellektuellen Beeinträchtigungen. Es bestehen Sprachdefizite, kognitive und
soziale Defizite, Verhaltensauffälligkeiten sowie Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitäts-Störungen.
Durch die Schädigung sind ebenfalls die sogenannten Exekutivfunktionen eingeschränkt: Die Kinder
können sich Informationen schlecht merken, neigen zu sozial unangemessenem Verhalten, haben
Probleme, ihre Impulse zu kontrollieren, Handlungen zu planen und sind oft nicht in der Lage,
mit abstrakten Konzepten wie z. B. Zeit oder Geld umzugehen.

Was hilft FASD-Kindern?

Auch wenn FASD nicht heilbar sind, können Förderung und Unterstützung die Entwicklung der Kinder
positiv beeinflussen. Dafür ist eine Diagnose die wichtigste Voraussetzung. Liegt sie vor, können
die Kinder gezielt in ihrer Entwicklung unterstützt werden, u. a. durch Logopädie, Ergotherapie und
neuropsychologisch fundierte Psychotherapie. Da FASD-Kinder an einem zeitlich nicht vorhersagbaren
Punkt ihre Entwicklung komplett einstellen (Deckeneffekt), ist es wichtig, so früh wie möglich zu fördern,
damit sie so viele Fertigkeiten wie möglich entwickeln, bevor der Deckeneffekt einsetzt.

FASD-Kinder brauchen im Alltag eine gut strukturierte Umgebung, in der sie in ihrer Entwicklung
unterstützt werden. Die wichtigste Hilfe und Unterstützung aber ist die Beziehung zu den Pflegeeltern
oder Heimerzieher/innen, die es den Kindern ermöglicht, eine sichere Bindung zu entwickeln und Liebe
und Annahme zu finden.